Zytologie:
In Aspiraten aus einer Zyste sind lediglich Protoskolizes (siehe Histologie) und/oder Haken identifizierbar. Die Haken lassen sich mittels MGG-, PAP- und Auraminfärbung gut darstellen.
Histologie:
Strukturen der Echinokokkus-Zyste:
- Fibrotische Perizyste (Gewebsreaktion durch den Wirt gebildet)
- Laminierte Membran
- Keimschicht mit vitalen Brutkapseln, die intakte Protoskolizes (Larvenstadium) enthalten
Die alveoläre Echinokokkose bildet multiple unregelmäßige zystische Hohlräume mit kollabierten und in sich gefalteten Membranen und Keimschichten; Protoskolizes werden nur selten gebildet.
Rupturierte, traumatisierte oder abgestorbene Zysten können eine neutrophil-granulozytäre oder granulomatöse Entzündungsreaktion verursachen und beinhalten variierende Anteile an nekrotischem Debris, Verkalkungen, degenerierten Helminthenfragmenten sowie freien Häkchen.
Protoskolizes sind kleine sphärische Larvenformen mit invaginierten Köpfen, Rostralhaken und kalkhaltigen Korpuskeln.
Histologisch können Haken mittels Giemsa- (blau) und Ziehl-Neelsen-Färbung (rot) oder mittels polarisierendem Licht hervorgehoben werden.
Die lamelläre Struktur der laminierten Membran lässt sich mittels GMS- und PAS-Färbung hervorheben.
Differenzialdiagnosen:
Vier Spezies sind humanpathogen und zeigen verschiedene klinische Präsentationen:
E. granulosus (zystische Echinokokkose)
E. multilocularis (alveoläre Echinokokkose)
E. oligarthus & E. vogeli (polyzystische neotropische Echinokokkose)
E. granulosus und E. multilocularis sind weltweit verbreitet, während E. oligarthus und E. vogeli ausschließlich in Mittel- und Südamerika vorkommen.
Infektionen mit Echinococcus spp. betreffen am häufigsten die Leber und am zweithäufigsten die Lunge, können jedoch an jeder Stelle des Körpers auftreten.
Die Zysten entsprechen langsam wachsenden Raumforderungen, die oft jahrelang asymptomatisch bleiben können.
Mögliche Symptome hängen von der Lokalisation und der Größe der Zysten ab.
Die unilokuläre Hydatidenzyste enthält Flüssigkeit, während die Flüssigkeit der alveolären Hydatidenzyste eine eher gallertartige Konsistenz aufweist.
Eine Ruptur der Zyste, spontan oder infolge mechanischer Einwirkung, kann zu einer sofortigen Anaphylaxie und zur Dissemination in andere Organe führen.
Die Echinokokkose, insbesondere die alveoläre Echinokokkose, kann einen invasiven neoplastischen Vorgang der Leber vortäuschen.
Aufgrund des Risikos peritonealer Implantationen oder einer Dissemination wird eine Biopsie nicht empfohlen; sie kann jedoch zur Bestätigung der Diagnose bei seronegativen Patient*innen hilfreich sein.
Echinococcus spp. gehören zur Klasse der Cestoda (Bandwürmer) und zur Ordnung der Cyclophyllidae.
Hydatidenzyste oder Hydatidose ist ein Synonym für Echinokokkose.
Der Mensch infiziert sich durch die Aufnahme von Eiern, die im Kot der Endwirte (wildlebender und domestizierter Caniden) enthalten sind. Die Eier schlüpfen im Dünndarm. Die freigesetzten Onkosphären durchdringen die Darmwand und gelangen über das Kreislaufsystem in verschiedene Organe, wo sie sich zu einer Hydatidenzyste entwickeln.
Der Mensch stellt einen Fehlzwischenwirt dar und kann die Infektion nicht weiter übertragen.
Adulte Bandwürmer kommen beim Menschen nicht vor.
Zervikale Hydatidenzysten sind selbst in endemischen Gebieten sehr selten und machen weniger als 1 % aller Fälle aus. Klinisch imponieren sie häufig als benigne erscheinende Raumforderungen im Halsbereich. Neurologische Symptome infolge einer Kompression benachbarter neuraler Strukturen sind besonders selten (1).
- Rezaei, J., Gandomkar, H., Chenarani, E. et al. Hydatid cyst of the neck presenting with left upper limb paresthesia in a 29-year-old man: a case report. J Med Case Reports 19, 445 (2025). https://doi.org/10.1186/s13256-025-05523-5