Klinisch relevante gramnegative Diplokokken
Zytologie:
Kaffeebohnenförmige gramnegative Diplokokken, typischerweise paarweise angeordnet, gelegentlich kurze Ketten bildend. Größe variiert je nach Spezies: Neisseria gonorrhoeae und N. meningitidis (0,6-1,0 μm), Moraxella catarrhalis (0,8-1,2 μm, oft größer und pleomorpher). Häufig adhärent an oder innerhalb von Neutrophilen in eitrigem Exsudat, besonders charakteristisch für N. gonorrhoeae in urogenitalen Präparaten. Hintergrund zeigt oft reichlich Schleim und Mischflora in respiratorischen Proben. Intrazelluläre Lokalisation in Neutrophilen unterstützt pathogene Bedeutung, ist aber nicht speziesspezifisch.
Histologie:
Unspezifische akute Entzündung mit neutrophiler Infiltration. Erreger selten sichtbar in Routine-HE-Färbung. Bei Meningitis-Fällen (N. meningitidis) kann akute eitrige Meningitis mit neutrophiler Infiltration des Subarachnoidalraums gesehen werden. Bei gonorrhoischer Urethritis akutes Entzündungsbild mit neutrophilem Exsudat.
Differenzialdiagnosen:
N. gonorrhoeae: Urethritis, Zervizitis, Proktitis, Pharyngitis, disseminierte Gonokokken-Infektion, entzündliche Beckenerkrankung
N. meningitidis: Meningitis, Bakteriämie, Pneumonie, Arthritis, nasopharyngeale Besiedlung
M. catarrhalis: Akute Exazerbation der COPD, Bronchitis, ambulant erworbene Pneumonie, post-virale bakterielle Superinfektion, Otitis media, Sinusitis
Probenqualität: Hoher Plattenepithelzellgehalt kann oropharyngeale Kontamination anzeigen. Viele Neisseria-Spezies sind orale Kommensale und können nicht-sterile Proben kontaminieren. Klinische Korrelation essentiell zur Unterscheidung pathogener von kommensalen Spezies, besonders in respiratorischen Proben, wo M. catarrhalis von kommensalen Neisseria spp. differenziert werden muss.
Intrazelluläre Diplokokken in Neutrophilen unterstützen Infektion, benötigen aber Speziesbestätigung durch molekulare Methoden oder umfassende biochemische Testung. Selektive Medien allein können pathogene von kommensalen Spezies nicht zuverlässig unterscheiden und sollten mit definitiven Identifikationsmethoden kombiniert werden.